Unser Therapieverständnis

Sich selber sein –
in Beziehung sein

Unser Therapieverständnis

 
Jeder Mensch ist seit seiner Geburt in einem vielfältigen Beziehungsnetz verknüpft: Mit sich und seinem Körper, mit den Familienmitgliedern, später mit Freunden, Verwandten oder Lehrpersonen, aber auch mit der Arbeit oder den Hobbys. In der familiendynamischen Beziehungstherapie gehen wir davon aus, dass wir durch Erfahrungen in unserer Kindheit und Jugend bestimmte Muster und Strategien erlernt haben, die in der Familie sinnvoll und beziehungserhaltend waren. Einge dieser Beziehungsregeln können jedoch im späteren Leben ihren ursprünglichen Sinn verlieren und sich blockierend auswirken.

Das Ziel der familiendynamischen Beziehungstherapie ist es – ausgehend von der aktuellen Situation – konstruktive Lösungen und neue Strategien zu entwickeln, die es ermöglichen, neue und befriedigende Erfahrungen zu machen. Dabei kann der Klient ein vertieftes Verständnis für sich selbst entwickeln und darauf aufbauend das eigene Leben und seine Beziehungen verantwortungsvoller, lebendiger und liebevoller gestalten.

In der familiendynamischen Beziehungstherapie werden die Klienten mit der eigenen Familiendynamik vertraut gemacht, damit sie erfahren, wie diese das gegenwärtige Verhalten beeinflusst. Die Therapie unterstützt die Klienten darin, diese blockierenden Mechanismen zu erkennen, mit den abgewehrten Grundgefühlen vertrauter zu werden und neue Beziehungsmuster kennen zu lernen und sich anzueignen.

Um diese neuen, fördernden Beziehungserfahrungen zu erleben, braucht es ein Gegenüber, das einen mit seinen Gefühlen, Wünschen und Erfahrungen versteht und annimmt. Zudem ist die therapeutische Beziehung hilfreich, weil sich dort die bisherigen Beziehungsmuster zeigen und so bearbeitet werden können.

In der Einzeltherapie steht die Verknüpfung der aktuellen Anliegen mit der intrapsychischen Welt und den familiendynamischen Grunderfahrungen im Vordergrund. Dazu gehört das Erkennen des eigenen Familiensystems und das Vertraut werden mit den Grundschmerzen und seiner Abwehr und dem eigenen Liebesbegriff. In der therapeutischen Arbeit werden Selbstwahrnehmung, Selbstachtung und Selbstverantwortung gefördert und das Vertrauen in die eigene Wirkkraft und Sinnhaftigkeit gestärkt. Das Ziel ist, dass die Klienten ihr Leben verantwortungsbewusster und beziehungsvoller gestalten können und so ihre Lebensfreude, die Freude an sich selber und an der Welt neu finden.

Jedes Paar bemüht sich nach Kräften, seine Beziehung so glücklich und erfüllend wie möglich zu leben. Dabei bringen beide Partner ihre eigene, in der Regel unbewusste Vorstellung mit, was Liebe bedeutet und wie sie zu leben ist. Einzelne Vorstellungen widersprechen sich jedoch oder sind realistischerweise nicht einlösbar. Darum fühlen sich die Partner trotz aller Zuneigung und guten Absichten unverstanden, frustriert oder meinen sogar nicht zueinander zu passen. In der Beziehung häufen sich Verletzungen und Enttäuschungen. Dies kann zu emotionaler Distanz und zunehmender Überforderung führen.

In der Paar- und Familientherapie unterstützen wir die Paare beim Erkennen und Auflösen der alten, blockierenden Beziehungsregeln und Liebesvorstellungen und bei der Stärkung von vorhandenen, konstruktiven Konfliktlösungsmustern. Häufig ist es wichtig, diese Vorstellungen zu relativieren, da sie auch Ausdruck früherer Verletzungen und unerfüllter Bedürfnisse sind. In der therapeutischen Arbeit ist es wichtig, dass beide Partner sich mit ihrer Lebensgeschichte soweit auseinandersetzen, dass sie erkennen, welche erlernten blockierenden Verhaltensmuster sie in der Partnerschaft wiederholen. Die Klienten können so erkennen, in welcher Weise sie ihre Partner für Behinderungen des eigenen Seins, der eigenen Entwicklung, verantwortlich machen, welche aber schon viel früher entstanden sind und welche sie heute unter Umständen unbewusst selber wieder herbeiführen.

Zu erkennen, wie jeder der Partner wechselseitig zur Aufrechterhaltung der Probleme oder eben zur Konfliktlösung beiträgt, das führt meist zu einem Spannungsabbau und zur Entlastung beider Seiten. Das gegenseitige Verstehen und Annehmen aus der jeweiligen Lebensgeschichte heraus ermöglicht eine Vertiefung der Beziehung – zu sich selbst und zum Partner.

Manchmal kommen die Partner auch zum Schluss, ihre Beziehung nicht mehr weiter zu führen. Dann ist oft das Verstehen der wechselseitigen Beteiligung an den Konflikten oder der Entfremdung aus der Sicht beider Lebensgeschichten die Voraussetzung für eine konstruktive Trennung. Gleichzeitig wird so die Gefahr verringert, in einer neuen Beziehung die alten Probleme zu wiederholen.

Grosse Bedeutung haben in unserer Arbeit die Kinder. Entwicklungsanstösse kommen häufig gerade von ihnen. Ihre seelischen und psychosomatischen Leiden oder ihre Verhaltensauffälligkeiten sind für die Eltern oft schwer auszuhalten und zu verstehen, da sie ja für ihre Kinder das Beste wollen. Die Symptome der Kinder sind eine grosse Chance für die Familie, da sie mit ihren Schwierigkeiten oft auf unerkannte oder schwer zu benennende Probleme in der Familie hinweisen. Eltern können dadurch lernen, wie sie gemäss der Familiendynamik ihrer Herkunftsfamilien und ihrer eigenen Paardynamik auf ihre Kinder einwirken. Verstehen sie die Bedeutung ihrer Symptome, kann dadurch eine Entwicklung ins Rollen gebracht werden, die der ganzen Familie zu Gute kommt.